Allgemein · Ich, Du und der Tod.

Sternchens Geburtstag.

Lange schon schleiche ich um dieses Thema herum.
Doch irgendwie wollte es nie so wirklich heraus.

Und dann kam der zweite Geburtstag meiner ersten Tochter. Die Tochter, die eigentlich ein Jahr älter ist, als meine Babymaus.
Doch dieses kleine Sternchen war nur einige Minuten auf dieser Welt.
Sie kam, zauberte und starb in unseren Armen.
Gezaubert hat sie so vieles. Sie berührte viele Seelen, bewegte, ließ vieles entstehen, legte ungeahnte Emotionen frei, ließ uns wachsen, machte uns stark.
Und ganz leise, wie sie gekommen war, ging sie wieder.

Unser kleines Sternchen kam für unsere Begriffe viel zu früh zur Welt.
In der Mitte der Schwangerschaft. Denn hier – auf dieser Welt – reichen 20 cm und knappe 150 Gramm einfach nicht aus. Hier braucht es andere Voraussetzungen um zu überleben.
Doch für ihre Begriffe, für sie selbst, kam sie im richtigen Zeitpunkt.Denn Gottes Zeitrechnung ist eine andere. Und Voraussetzungen, Begrenzungen und Richtlinien braucht er nicht. Unser Sternchen gehörte nur ganz kurz hierher. Aber sie gehört trotzdem zu uns.
Sie kam und ging. Von ihm und wieder zu ihm.

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Und inzwischen kann ich sagen, dass es gut ist. Ich weiß, dass sie sich freut, wenn wir an ihrem Geburtstag an ihrem Grab Luftballons steigen lassen. Sie freut sich, dass wir die Spuren, die sie hier hinterlassen hat, nicht einfach wegkehren und unbeachtet lassen.
Sie freut sich, dass wir sie immer wieder mit Liebe und Dankbarkeit betrachten und uns bemühen, unserer Aufgabe als Familie eines solchen Sternchens möglichst gut nach zu kommen.
Was das für Aufgaben sind?
Sie zu erinnern.
Nicht zu verschweigen und wegzuschieben.
Ihren Geschwistern von ihr zu erzählen. Immer und immer wieder.
Zuzugeben, dass wir traurig sind und sie gerne hier hätten.
Ehrlich zu sein zu sich selbst. Und zu den Lieben.
Gott zu vertrauen.
Erlebtes nicht verschweigen, sondern aussprechen, ansprechen, verarbeiten und sich damit beschäftigen. Nur so wird der Schmerz in Dankbarkeit verwandelt.
Und diese Dankbarkeit ist sehr versöhnlich.
Es gab Tage, Wochen nach ihrem Tod, wo ich verzweifelt war. Geschrien und geheult hab. Ich fühlt mich so machtlos, innerlich komplett verwundet, ausgeliefert.
Ich konnte den Anblick eines Babys nicht ertragen, alles tat weh und das aufstehen war schon zu viel verlangt. Mein Bauch war leer, ich hatte eine Geburt hinter mir, musste aber ohne Baby heimgehen. Kein Maxi Cosi, kein stillen, kein kuscheln.
Nur Leere, Schmerz und undendlich viel Schwarz.
Ich habe Gott angeschrien, verwünscht und gehasst. Doch er blieb da. Er war immer da und hat mich gehalten. Wie eine Mama ihr tobendes Kind einfach hält.
Und langsam kam ich wieder zu mir. Es war ein langer Weg, der unglaublich anstrengend und Kräfte zehrend war. Doch er war gut. Ich bin versöhnt.

Unser Sternchen gehört zu uns, auch wenn sie nicht hier ist.
Wir lieben sie und sind unendlich dankbar, sie kurz gehabt zu haben.
Ohne Sie wäre so vieles nicht. Hätten wir so vieles nicht erlebt. Wären wir andere. Wären wir nicht komplett.
Ich weiß, dass Gott es immer gut mit mir meint.
Ich muss nicht verstehen, warum was passiert, ich darf mit ihm durchgehen und spüren. Schmerz, Freude, Ausgelassenheit, Trauer.
Und er ist da und lässt mich immer wieder wissen: Ich trage dich. Ich liebe dich.

Also liebes Sternchen – Happy Birthday!
Wir vermissen, busseln und herzen dich.

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27 Kommentare zu „Sternchens Geburtstag.

  1. Liebe Lisa.
    So ein berührender Text. Ich musste weinen. Danke, dass du so offen darüber schreibst. Und so positiv. Dafür bewundere ich dich und auch, dass du deinen Glauben bewahrt hast in dieser schweren Zeit. Das gibt hoffentlich allen die in einer ähnlichen Situation sind viel Kraft.

    Happy Birthday eurem Sternchen. Und alles Liebe dir und deiner Familie.

    Gefällt 1 Person

    1. Danke liebe Kornelia! Schön, dass der Text berührt… Hoffentlich können Menschen in ähnlichen Situation Kraft daraus schöpfen! Mir hat das damals, wie heute, gut getan, zu merken: ich bin nicht allein. Es gibt einige, die den frühen Tod eines Babies erleben.
      Auch dir alles Gute! 😊

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  2. Hallo Lisa! Toll, dass du so offen mit diesem Thema umgehst. Deine Worte haben mich tief berührt und bestimmt finden Menschen in einer ähnlichen Situation Trost darin. Ich drücke euch ganz fest – alles Gute zum Geburtstag an euer kleines Sternchen 😘

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  3. Liebe Lisa!
    Wir kennen uns ja aus der Scharten. Ich bin’s die Michi. Deinen Block habe ich über Kriemi entdeckt, die auf facebook deine Geschichte von deinem Sternchen gepostet hat. Ich war sehr berührt und finde es toll wie du diese schwere Zeit überstanden hast. Dass du auch nicht an Gott gezweifelt hast zeigt dass du einen großen Glauben hast. Ich wüsste nicht ob ich in der gleichen Situation nicht den Glauben verloren hätte.
    Weiterhin alles Liebe und Gute und liebe Grüße,
    Michi (Polith)

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  4. Danke für diese schönen Worte. Ich habe etwas Ähnliches erlebt, aber durch die Geburt meiner gesunden Tochter haben wir das zweite Mädchen loslassen können. Wir haben sie nie sehen können. Trotzdem fehlt sie- und wie Du sagst… Gott hat einen Plan und es ist gut, dass wir ihn nicht kennen.

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  5. Das ist so ein wunderschöner Text. Er macht mich traurig, ich bin so nah am Wasser gebaut, vor allem bei diesem Thema… wie berührend, wie du damit umgehen konntest. Und deine Familie. So viele Frauen haben ähnliches erlebt. Ich weiß, wie du dich fühlst ❤

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  6. Liebe Lisa,
    mir kullern die Tränen. Happy birthday an euer Sternchen und liebe Grüße und eine dicke Umarmung von uns. Irre wie unsere Erlebnisse sich ähneln, verlor ich mein 2. Sternchen doch auch Anfang Mai…
    Bis hoffentlich bald mal wieder persönlich 😉

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  7. Lisa, mir fehlen die Worte. Ich bewundere Dich so sehr für Deine Lebenseinstellung und wie Du mit Deinen Schicksalsschlägen umgehst. Es tut mir so leid, dass Du so viel Leid erleben musstest, dass es für mehrere Leben reicht. Alles, alles Liebe und Gute und vor allem Gesundheit für Dich und Deine Familie wünsch ich Dir.

    Viele Grüße

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  8. Jetzt bin ich durch deinen Beitrag über Haylie auf dein persönliches Schicksal gestoßen und fühle mit dir, einmal musste ich leider mit erleben wie in unserer Familie Eltern ihr Baby verabschieden mussten und nur als Anteilnehmender Zuschauer tat es mir schon weh. Ich finde das Beste was man machen kann ist offen damit umzugehen, offen zu trauern und anderen zu zeigen dass so etwas so vielen passiert. Zusammen kann man sich halten.
    Diese Blogkategorie ins Leben zu rufen war eine sehr gute Idee und ich werde Dich gleich mal abonnieren.

    Liebe Grüße und alles Gute.

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  9. Ich bewundere Dich für Deine Einstellung! Ich kann mich bis heute nicht damit versöhnen und mir auch nicht vorstellen, es irgendwann zu können. Aber ich gebe mir auch oft selbst die Schuld daran. Hätte ich doch bloß nicht den einen Schluck Cola getrunken, hätte ich doch nur nicht 2x die Folsäure vergessen… Mein Post über den Tod meines Babys hat wieder ein Stück weit dazu beigetragen, das alles zu verarbeiten. Aber es wird nie verheilen! Ich drück Dich und wünsche Dir und Deiner Familie ganz viel Liebe und Halt!

    Liebe Grüße
    Lotti

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  10. Danke für Deine berührenden Worte! Auch wir mussten unser geliebtes Küstensternchen viel zu früh gehen lassen und ich vermisse es so unglaublich. Drüber schreiben hilft – austauschen auch.

    Fühl Dich gedrückt und Happy Birthday – jeden einzelnen Tag!

    Küstenmami

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